Gründung des Interkulturellen Frauennetzwerks Hessen

Draußen tobte das Frankfurter Fest der Kulturen. Drinnen im Plenarsaal des Römers gründeten 30 bis 40 Frauen ein Interkulturelles Frauennetzwerk für Hessen.

Der Plenarsaal war als Setting für das Ereignis deutlich  zu groß, und die Möbel stammten erkennbar aus einer Zeit, in der mit Frauen in der Politik nicht gerechnet wurde, schon gar nicht mit Frauen ausländischer Herkunft: Eine der Beirätinnen musste sich bei ihrer Vorstellung vorn am Rednerpult tatsächlich auf ihre Fußspitzen stellen.

Wie meist, wenn Frauen zum Diskutieren zusammen kommen, war es eine spannende Veranstaltung, aber ich fand es auffällig, dass nur wenige der Frauen mit Migrationshintergrund da waren, die am 30. April 2010 im Haus der Jugend ihre selbstorganisierten Frauengruppen vorgestellt hatten. Außer den Gastgeberinnen und Initiatorinnen des Interkulturellen Frauennetzwerks Hessen, die Coordinamento Donne Italiane di Francoforte, waren nach meiner Beobachtung nur einige Frauen des afghanischen Projektes ZAN bei der Gründungsveranstaltung des Interkulturellen Frauennetzwerks für Hessen vertreten – ein bißchen wenig bei diesem anspruchsvollen Namen.

Anwesend waren darüber hinaus Frauen der Kommunalen Ausländervertretung Frankfurt, sie hatten den Plenarsaal für das Gründungstreffen zugänglich gemacht, Frauen von Sarah + Hagar, die das Wörtchen Religionen in der Satzung sehen wollten, eine Frau von Berami, eine Frauenbeauftragte aus Nordhessen, 6 Ausländerbeirätinnen, organisiert in der agah, der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessens.

Die Moderatorin des Gründungstreffens Ulrike Foraci, Geschäftsführerin von agah, half als Expertin für Vereinsgründungen, keine Fehler bei der Formulierung der Satzung zu machen, aber sie hatte merkwürdigerweise Probleme mit Wörtern ausländischer Provenienz, etwa dem Wort Coordinamente, oder dem persönlichen Namen von Barbara Cárdenas von den Linken, die in ihrem Grußwort den lobenswerten Vorschlag machte, von trennenden Klassifizierungen Abschied zu nehmen. Wir seien alle deutsche Frauen, nicht einheimische Frauen versus Frauen mit Migrationshintergrund.

Das Konzept des Interkulturellen Frauennetzwerks Hessen, das von ca. 10 nicht näher bezeichneten Frauen im Vorfeld ausgearbeitet worden war, sollte zum Gründungszeitpunkt ausdrücklich nicht mehr diskutiert werden und wurde eilig verabschiedet, bevor eine auf dumme Fragen kommen konnte. Dafür verbrachten wir viel Zeit mit der Satzung, als deren Bestandteil das Konzept am Ende verabschiedet und damit festgeklopft wurde. Auch die Wahl des Vorstandes mit allen Gliederungen ging dann wieder sehr eilig vonstatten. Naja!

Dennoch halte ich die Gründung eines interkulturellen Netzwerkes für einen wichtiger Schritt und gründete fleißig mit. Nun drücke ich uns die Daumen, dass all die jungen Frauengruppen dazustoßen, die in letzter Zeit mit dem ausdrücklichen Ziel gegründet wurden, die Klienten-Rolle zu überwinden und als „gesellschaftliche Akteurinnen“ selber tätig zu werden. Aber: Was bedeutete ist, dass Mechtild Jansen von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, auf dem Programm angekündigt, ohne weitere Ansage nicht erschien?

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